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KulturSchweigen

Artikel vom 17.12.2008

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Ottokars Cinétips

Nichts als Frauen

Von der klassischen High-Society-Komödie von 1939 zur harmlosen Kino-Schmonzette von 2008

Von Ottokar Schnepf



Die «Women» von heute: lediglich geliftete Abziehbilder gegen....


Neuverfilmungen am laufenden Band kommen aus Hollywood. Nur selten gelingt es diesen, das Original zu erreichen, wie «The Women» einmal mehr treffend beweist.

135 wortgewandte High-Society-Damen stöckelten 1939 durch den Film «The Women» von George Cukor. Darunter als Hauptdarstellerinnen die damaligen Stars Joan Crawford, Norma Shearer, Rosalind Russell, Paulette Goddard und Joan Fontaine.

Männer waren keine auszumachen, obwohl es in der spritzig-witzigen Komödie mit messerscharfen Dialogen ausschliesslich um die Männer ging, was schon der Slogan im Vorspann ankündigte «and it's all about men».

70 Jahre nach Cukors Hollywood-Klassiker serviert uns jetzt Diane English ein Remake. Cukors «Women» basierte auf einem gleichnamigen Bühnenstück und war ein Produkt der damaligen Zeit, in der man von Frauen noch erwartete, dass sie sich in erster Linie um eine Ehe zu kümmern hatten - und nicht sich gegenseitig wegen eines Mannes das Messer zwischen die Rippen stossen.

Für ihr Remake behielt Regisseurin English die Grundstory von Mary Haines bei, jener glücklich verheirateten Frau, die herausfindet, dass ihr Mann mit einer Kosmetikverkäuferin fremd geht.

Dann aber geht es der Originalstory an den Kragen, denn an Stelle, ob Mary wieder mit ihrem Mann zusammen kommt, wird die Frage aufgeworfen, ob Mary wieder mit ihrer besten Freundin Sylvie zusammen kommt. «Ich wollte den Film zu einer Love-Story zwischen zwei heterosexuellen Frauen machen», sagt Diane English.

Ob diese Variation zeitgemässer ist, sei dahingestellt. Sicher aber ist: Meg Ryan, Annette Bening, Jada Pinkett Smith, Debra Messing, Carrie Fisher, Candice Bergen, Bette Midler, sie alle können den charmanten Ladys von damals kaum das Wasser reichen. Und was für ein spezielles Gespür einst George Cukor für Frauen hatte, wie er deren Attraktivität ins Bild zu setzen wusste, das hat ihm bis heute noch keiner und keine nachmachen können. Nicht vergebens wurde er als Frauenregisseur bezeichnet.

Sein Film war eine Farce, welche die Damen der feinen Gesellschaft in einem endlosen Schnattern und Flattern auslaufen liess und dabei weder ein optimistisches noch ein besonders faires Bild des weiblichen Geschlechts zeichnete. Aber «The Women» war ja auch als Komödie gedacht: Man sollte über die Figuren lachen; es waren Karikaturen.

Doch eine überzeichnete Damenwelt will das Remake ganz offenbar nicht mehr. Und wenn hier überhaupt noch Humor vorkommt, dann jener Kaufrausch-Humor, den «Sex and the City» zelebriert hat und dessen höchster Anspruch in der Fetischisierung des New Yorker Einkaufstempels Saks zu finden ist.

Dumm erscheint am ganzen Film der Regisseurin Diane English, dass man heute offensichtlich nicht mehr wie früher über reiche Leute, ihre Unsitten und ihre müssigen Problemchen lachen darf, sondern sich mit ihnen identifizieren soll. Jetzt beim Börsencrash erst recht.



...die Klassen-»Women» von damals.

Von Ottokar Schnepf


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